Editorial

Der Wahl-Wechsel in Deutschland im September, die erneute tiefe politische und wirtschaftliche Krise, in der sich Rußland seit August befindet - es ist eine Zeit spannungsvoller Diskussionen. Und nur wenige werden sich zutrauen, auf die vielen Fragen, die die gesellschaftliche Situation in beiden Ländern derzeit aufwirft, eindeutige Antworten zu wissen. Wobei die „russischen Fragen" ohne Zweifel die beunruhigenderen sind.
Sicher ist, daß die DAMU auch weiterhin bei ihrem Programm bleiben wird: Menschen in Deutschland und Rußland zu aktivieren und zu unterstützen, die partnerschaftlich und zu beiderseitigem Nutzen wissenschaftliche und kulturelle Vorhaben realisieren wollen. Unser Jahrestreffen am 5. Dezember wird, so hoffen wir, Gelegenheit geben, die Dimensionen der russischen Krise auch mit Kollegen und Freunden aus Moskau zu diskutieren und mehr zu erfahren über geistig-kulturelle Prozesse im Lande, die derzeit hinter Meldungen über das alltägliche Krisenmanagement zurücktreten. Die Veranstaltungen unseres „heißen Herbstes" 1998, zum Arbeitsmarkt Rußland für deutsche Fachkräfte und zu russischen Reformen in Vergangenheit und Gegenwart (siehe S. 19) zeugen davon, daß wir nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm zu sitzen gedenken.

Christine Titel

Berlin, im Oktober 1998
 

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