Buchempfehlung: "Rußlandknigge"

Annette Baumgart, Bianca Jänecke. Rußlandknigge. Oldenbourg Verlag München 1997. ISBN 3-486-24166-4
 

Zweifellos kann in einer Zeit, in der der internationale Wettbewerb von Tag zu Tag zunimmt und der Erfolg gegenüber den Konkurrenten immer weniger nur durch das Produkt, seinen Preis oder bestimmte Serviceleistungen zu sichern ist, der richtige Umgang mit dem ausländischen Partner den Gang der Geschäfte maßgeblich beeinflussen. Vielfaches Scheitern internationaler Kooperationsbemühungen und ständig zunehmender Wettbewerbsdruck veranlassen besonders die im Exportgeschäft tätigen Firmen zunehmend, kulturell bedingte Einflußfaktoren auf die Geschäftstätigkeit rechtzeitig zu identifizieren und in ihren Aktivitäten zu berücksichtigen. Immer offensichtlicher wird, daß sich Menschen, die in ihrer beruflichen Praxis mit Vertretern anderer Kulturen arbeiten, neben den fremdsprachlichen vor allem auch interkulturelle Kompetenzen aneignen müssen.  Denn es sind nicht unbedingt die sprachlichen Barrieren, die Partner einander nicht verstehen lassen. Es sind vielmehr Unterschiede, die viel tiefer liegen; sie sind in der Kultur, Geschichte, Philosophie und Religion verwurzelt. Jeder denkt in seinem eigenen Kreis von Vorstellungen, Einstellungen, Werten, ist sich dessen jedoch meistens nicht bewußt und folglich auch nicht bereit, sich in den Partner mit dessen Denkweisen hineinzuversetzen. Es findet ein Dialog von Menschen statt, die zwar sprechen, aber doch stumm sind; die zwar hören, aber doch taub sind.
Relativ junge Forschungsrichtungen, wie die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation und das Interkulturelle Management untersuchen, welche Faktoren die grenzüberschreitende Kommunikation in den Handlungsfeldern der Wirtschaft negativ bzw. positiv beeinflussen. Dabei muß betont werden, daß sich einschlägige westeuropäische Managementliteratur bisher kaum bzw. nur peripher mit Rußland beschäftigt hat. Die meisten Publikationen beschränken sich auf die "Geschäftsetikette" im klassischen Sinne, ohne auf die Auswirkungen kulturell geprägter Verhaltensweisen auf die Unternehmensphilosophie und auf einzelne Managementfunktionen wie Führung, Entscheidung, Delegation, Motivation, Organisation, Kontrolle etc. näher einzugehen.
Um diese empfindliche Lücke zu schließen, entstand der "Rußlandknigge", ein praktischer Leitfaden zur Bewältigung soziokultureller Probleme bei der interkulturellen Geschäftskommunikation mit Russen. Mit dem "Rußlandknigge" ist eine Synthese gelungen aus soziokulturellen Aspekten der Kommunikation und der Schilderung russischer Unternehmenspraxis, ausgehend von einem verhaltenskontrastiven Ansatz. Die Autorinnen gehen in diesem Buch auf die Ursachen von Fehlkommunikation mit Russen ein und geben ein umfassendes Bild vom russischen Volkscharakter. Ausgehend davon werden Empfehlungen gegeben, was bei der Anbahnung bzw. Vertiefung von Geschätsbeziehungen mit russischen Partnern zu beachten ist, wie man sich in Rußland durch das Dickicht der Bürokratie schlängelt, was zu beachten ist, wenn man den russischen Markt erobern möchte. Die Bewältigung dieser Aufgabe wird um so dringlicher, sollten andere, über reine Handelsbeziehungen hinausgehende Formen einer Zusammenarbeit, etwa im Rahmen eines Joint ventures angestrebt werden, bei denen es zu langanhaltenden, direkten Kontakten zwischen Mitarbeitern verschiedener Führungsebenen kommt, die zugleich einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund in die Zusammenarbeit einbringen. Die direkte Zusammenarbeit in einem Unternehmen erfordert ein vertieftes Verständnis dafür, warum sich Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund auf die eine oder andere Weise verhalten und entscheiden. Deshalb wird im zweiten Teil des Buches ein Exkurs in die russische Unternehmenspraxis unternommen, bei dem die Beschreibung typischer Gepflogenheiten und Verhaltensweisen im innerbetrieblichen Leben großer Unternehmen im Mittelpunkt der Betrachtung steht.
 

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