Ausgabe 1/2000
1. August 1999. Im Zug, der von Berlin-Lichtenberg Richtung Moskau fährt, treffen Studenten aus Berlin, Rostock, Potsdam und Weimar auf Kommilitonen aus Halle und Würzburg. Die einen sind auf dem Weg zum Workcamp am Weißen Meer, das Ziel der anderen ist Ufa, die Hauptstadt Baschkiriens im Ural. Beide Studentengruppen fahren auf Initiative und mit der Organisationskraft zweier Vereine im Rücken - DAMU und die Hallenser "Freunde Baschkortostans".
Traditionelle Partnerschaft mit neuem, jugendlichem Schwung - Halle und Ufa
Die Zugfahrt von Halle nach Ufa ist zugleich Anfang und Ende einer Reise. Für 15 junge Russen, Baschkiren und Tataren ist sie das Ende eines dreiwöchigen Aufenthalts bei Freunden in Deutschland. Einige ihrer neuen Freunde begleiten sie auf ihrer 3000 Kilometer langen Heimfahrt in den Ural. Für sie ist es der Anfang einer spannenden Reise durch Rußland. Rund fünf Wochen liegen vor ihnen, in denen sie Ufa, die Hauptstadt der Republik Baschkortostan kennenlernen, sich bei einer Paddeltour im Südural erholen und auf der Rückreise Moskau und St. Petersburg erkunden werden.
Beide Reisen sind Bestandteil des Jugendaustausches der "Freunde Baschkortostans"* mit der Studenten-union der Baschkirischen Staatlichen Universität Ufa. Diese Begegnungen sind Fortsetzung einer langen Tradi-tion. Bereits zu DDR-Zeiten fuhren Studenten der halleschen Alma mater im Sommer in die Partnerstadt. Als nach der Wende Partnerschaften mit Osteuropa bei den Offiziellen in Halle nicht so hoch im Kurs standen, hielt ein Häufchen Unverdrossener den Kontakt nach Ufa aufrecht. Im Jahr 1990, als die meisten ostdeutschen Studenten die neue Reisefreiheit in andere Richtungen nutzen und es schwer war, Mitfahrer nach Rußland zu finden, entstand der Kontakt zur Uni Würzburg. Ein ost-west-deutsch-russischer Austausch entstand, ein originelles Projekt, das auch schon mal mit einem Sonderpreis der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet wurde.
Seit 1991 finden unsere Jugendbegegnungen in ihrer heutigen Form statt. Unsere russischen Gäste halten sich zuerst eine Woche in Würzburg auf, anschließend kommen sie zu uns nach Halle. Da die Unterbringung privat bei den deutschen Teilnehmern erfolgt, ist ein Kontakt schnell hergestellt. Höhepunkte dieser spannenden Wo-chen sind immer die gemeinsamen Abende, an denen zusammen gekocht, gegessen, getrunken und vor allem gesungen wird. Für die Begrüßungs- und Abschiedsabende finden wir mittlerweile nur schwer geeignete Lokalitäten, da inzwischen immer mehr "Ehemalige" kommen.
Die Aktivitäten der "Freunde Baschkortostans" gehen jedoch über den Austausch mit Ufa hinaus. Neben dem vierteljährlichen erscheinenden Infoheft „Baschkirien heute" versuchen wir, durch kleinere Veranstal-tungen den Hallensern ihre Partnerstadt näher zu bringen. Außerdem ver-geben wir z.Zt. ein Sti-pendium an eine Jour-nalistikstudentin aus Ufa. Im letzten Jahr entstand noch ein weiteres "Großprojekt": Im Rahmen des Programms "Jugend für Europa" der Europäischen Kommission luden wir junge Musiker aus Rußland, der Ukraine, Bosnien-Herzegowina und Deutschland nach Halle ein. Zwei Wochen lang lebten sie unter einem Dach, probten und traten zusammen auf. Bei den gemeinsamen Konzerten stieg die Stimmung vor allem dann, wenn die Bands in gemischter Besetzung auftraten. Für den Verein brachte dieses multikulturelle Erlebnis viele neue Erfahrungen. Auch wenn beim ersten Versuch nicht alles klappte, ist für dieses Jahr eine Fortsetzung geplant. Dann sollen auch weitere Westeuropäer für eine Teilnahme gewonnen werden. Erste Kontakte gibt es bereits nach Finnland. Es braucht wohl nicht ausdrücklich betont werden, daß die russische Band natürlich aus Ufa kam.
Ralf Steinhausen
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